Unachtsamkeit macht brotlos

Mittwoch, 09. Oktober 2019

Dirk kocht Nudeln im Maun Rest Camp, Botswana

Da ist eins. Und da auch. Da vorne, ein ganz großes! Achtung, jetzt kommt eines direkt in der Mitte. Krawumm. Mist. Reingefallen.

Botswana hat, verglichen mit Namibia, wirklich viele Kilometer Teerstraße. Klingt gut? Nee. Die Straßen sind nämlich im wahrsten Sinne des Wortes auf Sand gebaut. Und wenn man auf Sand einfach zwei Zentimeter Asphalt draufkippt und meint, jetzt sei die Straße fertig – dann ist sie wirklich ganz schnell fertig. Fix und fertig.

Dann darf man hunderte Kilometer lang lustiges Schlagloch-Hopping machen. Mit Schlaglöchern, in denen man auch ein ganzes Auto versenken könnte. Wir kennen das. Aber daran gewöhnen werden wir uns in diesem Leben nicht mehr. Also weicht Dirk (meist sehr erfolgreich) 380 km lang allen Löchern aus, bis wir wohlbehalten Maun erreichen.

Bevor wir aber morgens nach einem gemütlichen Frühstück bei Drotsky’s loskommen, verlängern wir ungewollt den Einkaufszettel für Maun noch einmal. Es sind nur zwei kurze Momente. Einer vorgestern. Einer heute. Und schon sind wir um zwei Erfahrungen reicher und um zwei Brote ärmer.

Die gemeinen Diebe, das sei zu unserer (schwachen) Verteidigung gesagt, sind aber auch wirklich clever und blitzschnell. Dabei wissen wir, dass die Meerkatzen bei Drotsky’s die Pest sind. Und Piet hatte uns beim Einchecken auch noch einmal explizit darauf hingewiesen. Das nutzt bei den Schaubes nur leider nicht immer etwas.

Vorgestern hatten sie mich ausgetrickst. Wir wollten Sandwiches zu Mittag essen, Brot lag schon auf dem Tisch – und dann setzt sich eine von diesen blöden Meerkatzen ganz fotogen in Pose. Was mache ich? Na klar, reflexartig zur Kamera greifen. Ich habe kaum fokussiert, da kommt ein zweiter Affe vom Baum über dem Tisch und schnappt sich das Brot. Grummel.

Heute erwischt es dann Dirk. Beim Zusammenräumen unseres Krams lässt er für einen kurzen Augenblick die offene Hecktür aus den Augen. Als ich wenig später die Beifahrertür aufmache, überrasche ich auf der Rücksitzbank einen kleinen Affen mit unserer Brottüte in der Hand.

Die lässt er beim Flüchten vor lauter Schreck zwar gleich wieder fallen, weil er sie aber schon mal angebissen hat, werden wir auch dieses Brot los. Nicht an die Affen, aber an die Mülltonne. Effekt identisch – wir sind jetzt brotlos. Und schwanken zwischen Ärger über unsere Unaufmerksamkeit und Amüsement darüber, dass uns mal wieder so etwas passiert.

Jetzt also auf die löchrige Straße und ab nach Maun. Da ist erst einmal Shopping & Orga angesagt. Parkeintritte für Moremi und Nxai Pan beim DWNP bezahlen (wir trauen dem Frieden nicht, dass das mittlerweile auch an den Gates möglich ist). Pula ziehen. Fleisch im Deli kaufen. Tanken. Vorräte aufstocken.

Alles problemlos erledigt. Also bis aufs Tanken natürlich. Das geht in Botswana nie einfach mal eben so. An der ersten Tankstelle hörten wir deshalb auch wieder den lieblichen Spruch: „Sorry. No diesel.“. Aber Maun ist zum Glück groß genug und vor allem der Anlaufpunkt für alle Touristen; da gibt es ausreichend Tankstellen.

Unserem Navi geht es wie Dirk: Ihm ist zu heiß. Und es versagt seinen Dienst (Dirk funktioniert zum Glück auch bei Hitze weiter). Schon doof, wenn die Technik ausfällt, aber wir haben ja noch das GPS und peilen das Maun Rest Camp an. Außerdem waren wir dort 2015 schon und erinnern uns grob an den Weg.

Wir checken ein und sind überrascht, dass die Campsites komplett belegt zu sein scheinen. Beim letzten Mal waren wir hier alleine … Aber die Auswahl an vernünftigen Campsites in Maun ist erschreckend überschaubar. Und das Maun Rest Camp ist nett. Nicht mehr, nicht weniger. Und Esphine, die uns eincheckt und mit der ich vorher schon gemailt hatte, ist superlieb.

Es ist einfach nur heiß. Auch abends kühlt es nicht ab, es geht nicht einmal eine leichte, kühlende Brise. Dirk kocht uns Lieblingsnudeln, will sagen Nudeln mit Rinderfilet und Cashews. Aber selbst das leckere Essen kann nicht verhindern, dass der Abend einige atmosphärische Störungen mit sich bringt. Vielleicht ist es auch wirklich einfach nur zu heiß …

One thought on “Unachtsamkeit macht brotlos

  • 17. Oktober 2019 at 11:48
    Permalink

    Da seit ihr ja wieder und wie ich sehe, habt ihr eine ordentliche Internetverbindung… und wir wieder ordentlich Lesestoff (passend zur gerade begonnenen Buchmesse).
    Ja, das organisierte Kriminalität sogar vor Campsites in Afrika nicht halt macht, wo Touristen mit ausgeklügelten Verfahren um ihr letztes Brot gebracht werden…skandalös!
    Besonders gut finde ich eure Lieblingsnudeln mit einem super Verhältnis Filet-Nudeln. Also zumindest auf dem Bild sieht es nach einem klassischen 2:1 (Gewicht) Verhältnis aus. Recht so!

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