18. April 2010: Verweht – vom Wind, vom Sand, …

Mit dem Photopermit darf man bereits zum Sonnenaufgang nach Kolmannskop hinein. Das schafften wir zwar nicht ganz, wir kamen erst um viertel vor sieben an, parkten auf dem extra für Photopermits reservierten Parkplatz und trabten zu der verlassenen Stadt. Es war klasse, ganz allein und im besten Morgenlicht die von Sand und Wind angegriffenen Häuser der ehemaligen Minenstadt zu erforschen. Der Sand erobert dort nach und nach die Gebäude, das sorgt für eine ganz eigene Stimmung und auch für sensationelle Fotomotive. Kleines Manko am Rande: Die berühmte Badewanne haben wir nicht gefunden …

Auf der Rückfahrt bestätigte sich dann unser erster Eindruck von Lüderitz: ein totes Kaff, sonntags noch mehr als an anderen Wochentagen. Wegen der Stadt selbst lohnt sich der doch immerhin 120 Kilometer lange Abstecher definitiv nicht. Und jetzt das Aber: Die Umgebung ist wunderschön. Wer sich an sand-, meer- und windgeschaffenen Landschaften begeistern kann, der ist hier richtig. Der Achatstrand hatte uns richtig gut gefallen, der Spaziergang in der salzig-sandigen Luft war so schön gewesen – nun wollten wir den Nachmittag nutzen um durch die Buchten südlich von Lüderitz zu fahren und uns dort wieder den Wind vom Atlantik um die Nase pfeifen zu lassen.

Reisebericht Namibia & Botswana 2010: Kolmannskuppe

Von einer Bucht zur nächsten

Wir wurden vom Winde verweht, so richtig durchgepustet und fanden es einfach nur herrlich. Tolle Landschaften, ziemlich einsam, lediglich am Diaz Point herrschte vergleichsweise Jubel-Trubel. Dafür gab es dort Kaffee und einen sensationellen Schokoladenkuchen. Und dazu, wir konnten es kaum fassen, schon wieder Sonnenschein. Ein genialer Ausflug.

Fassen konnten wir am Abend allerdings auch nicht, dass sonntags in Lüderitz offenbar selbst die meisten Restaurants geschlossen sind. Am Ende landeten wir im Hotel-Restaurant „Zum Sperrgebiet“. Das Essen war anständig, der Rest … also sagen wir mal „unterhaltsam“.

Reisebericht Namibia & Botswana 2010: Buchten um Lüderitz

17. April 2010: Strandläufer

Wir hatten es befürchtet; der traumhafte Sonnentag gestern war nur eine Ausnahme. Als wir morgens aufstanden, war der Himmel bedeckt und wir erwarteten das Schlimmste für unsere nächste Etappe: Lüderitz. Alle hatten uns gewarnt, sogar das nette Mädel, bei dem wir in Klein-Aus Vista unsere Rechnung bezahlt hatten. Kalt sei es in Lüderitz, neblig und permanent windig. Campen? In Lüderitz? Um Himmels Willen. Sie empfahl uns gleich mal eine Pension als Ausweichquartier.

Und tatsächlich: Der Himmel wurde immer dunkler, je näher wir Lüderitz kamen, es wurde kälter. Wir fröstelten beim Aussteigen. Das konnte ja lustig werden. Gleich vier Nächte hatten wir gebucht, auch weil wir einen Tagesausflug ins Sperrgebiet machen wollten. Das geht nur organisiert, mit Voranmeldung und offizieller Genehmigung und mit mindestens vier Personen. Coastways Safaris wollte versuchen, noch zwei weitere Teilnehmer aufzutreiben. Vor unserer Abreise hatte ich nichts mehr von ihnen gehört, deshalb suchten wir in Lüderitz erst einmal einen Internet-Shop, um meine Mails zu prüfen.

Reisebericht Namibia & Botswana 2010: Regen am Horizont

Schneckenpost in Lüderitz

Geschlagene zwanzig Minuten dauerte es, in meinen Mail-Account zu schauen. Schneckenpost. Und dann auch noch vergeblich: keine Nachricht von Coastways Safaris. Dafür bei Yahoo eine Meldung über eine dubiose Aschewolke, lahmgelegten Flugverkehr in Europa … Noch nahmen wir das nicht wirklich ernst.

Das Büro von Coastways Safaris war geschlossen, erst übermorgen, am Montag, sei wieder jemand zu erreichen. Wir verabschiedeten uns also von der Sperrgebiet-Tour. Schade. Als nächstes besorgten wir uns bei Lüderitz Safaris + Tours für den nächsten Tag Photopermits für Kolmannskuppe und fuhren dann zur Campsite. Die liegt wunderschön – und gnadenlos windig – vor Lüderitz auf der Halbinsel Shark Island.

Sonne, Wind und Meer – und viel Sand …

Wir suchten uns einen Platz, packten Tisch und Stühle aus, schauten skeptisch zum Himmel – und siehe da, der war in weiten Teilen blau. Nichts wie rein ins Auto und zum Agate Beach, zum Achatstrand. Dort wurden wir von Sand und Wind zwar regelrecht abgeschmirgelt, konnten aber bei schönstem Sonnenschein eine gute Stunde am Strand entlanglaufen und die Füße ins (bitterkalte) Wasser des Atlantiks halten.

Obwohl wir mittags schon Fish and Chips bei Captain Macarena an der Waterfront gegessen hatten, waren wir abends doch wieder ziemlich hungrig und ließen uns den Kingklip bei Ritzie’s richtig gut schmecken. Danach: Campsite, in den Schlafsack kuscheln, gute Nacht.

Reisebericht Namibia & Botswana 2010: Lüderitz

16. April 2010: Von Mäusen und Moskitos

Reisebericht Namibia & Botswana 2010: Klein-Aus Vista

Was für eine Nacht! Wir hatten abends nach dem Essen noch eine Weile vor unserem Chalet gesessen und waren dann schlafen gegangen. Nicht ohne vorher die Hinweistafel an der Tür zu lesen: „Vorsicht Mäuse!“, stand da unter anderem drauf. Was bei uns aber keineswegs zu der Schlussfolgerung geführt hatte, dass wir vielleicht das Frühstückspaket wegräumen sollten. Wir hatten schlichtweg vergessen, dass es noch in der Küche stand. Zunächst waren dann auch eher die gefühlten drei Millionen Moskitos unser größtes Problem …

Und während ich mich kratzenderweise mit meinen Moskitostichen beschäftigte, suchte sich ein penetrantes Geräusch den Weg in mein nächtlich-verpenntes Bewusstsein: „Du Dirk, da vergreift sich etwas an unserem Frühstück.“ Das Nagen war inzwischen deutlich zu hören. Dirk, normalerweise nachts nicht wach zu bekommen, war mit einem Satz aus dem Bett und in der Küche. Schließlich ging es um die Rettung seines Frühstücks. Die Hälfte des Brots war verloren, einen Guave-Saft und einen Apfel hatten die Mäuse sich ebenfalls schon gemopst. Nun denn, Mitleid hatten wir nicht verdient – selbst schuld!

Morgens frühstückten wir dann mit den Resten trotzdem erst einmal gemütlich, ausnahmsweise sogar bei strahlend blauem Himmel. Über die nächtliche Aktion und unsere Blödheit konnten wir mittlerweile auch lachen, der Tag versprach gut zu werden. Wir entschieden uns, den ca. 10 Kilometer langen Schutztruppen-Trail entlang zu laufen. Die Bewegung war auch bitter nötig gewesen und der Weg ließ sich insgesamt sehr gut begehen.

Danach hatten wir uns den faulen Nachmittag auf der Veranda verdient, abends ließen wir uns wieder ein Braai-Paket schmecken. Und verstauten das Frühstück für den nächsten Tag sicher im Kühlschrank. Ja, trotz fortgeschrittenen Alters sind wir noch lernfähig.

15. April 2010: Was ist denn das für ein Wetter?

Unser letzter Game Drive im KTP für dieses Jahr. Wir wollten schauen, ob die Löwen noch da waren. Folglich standen wir früh auf, packten zusammen und waren ein paar Minuten vor sieben an der Rezeption um auszuchecken und unser Permit für den Game Drive zu holen.

Welch ein Schauspiel: Kurz vor Dirk joggte eine Frau ins Office, holte sich das Permit, sprang zu ihrem Mann ins Auto, der fuhr los – und wurde von einem Ranger gestoppt. Es sei drei Minuten vor sieben, das Gate öffne erst um sieben. Ja, Ordnung muss sein, auch in Afrika. Also stellten sich die beiden zähneknirschend an den Rand und warteten. Inzwischen war auch Dirk zurück und wir bekamen vom Ranger höchstpersönlich das Signal: „You can drive now!“

In der dann ausbrechenden Rallye-Hektik rammte uns fast noch ein Fiesta (!) Pickup – und am Ende waren wir als lachende Dritte „first out of the gate“. Wir fuhren schnurstracks zum 14. Bohrloch (kurz hinter dem Gate schon überholt von den beiden anderen). Unterwegs ein kurzer Stopp, um einen Löffelhund in der Morgensonne zu fotografieren, dann wurden unsere Befürchtungen bestätigt: Die Löwen waren offenbar weitergezogen, der Fiesta Pickup kam uns auch schon sichtlich enttäuscht wieder entgegen. Und die bitterste Enttäuschung zeichnete sich im Gesicht eines älteren Mannes ab, der den Tränen nah zu sein schien … Mann o mann. Wir waren auch enttäuscht, na klar – aber irgendwie auch köstlich amüsiert von diesem Schauspiel.

Reisebericht Namibia & Botswana 2010: Löffelhund

Der Löffelhund bremst uns aus – gut so!

Na gut, dann also umdrehen, in aller Ruhe nach Mata Mata zurück und über die Grenze nach Namibia. Der Löffelhund suchte immer noch im Gras nach Fressbarem und wir beschlossen, ihm eine Weile zuzuschauen. Wir hatten ja jetzt Zeit. Und diese „Weile“ war immens wichtig für den weiteren Verlauf. Als wir nach dieser Weile nämlich weiterfuhren, liefen sie plötzlich parallel zu uns: die Löwen!

Sie waren in der Nacht offensichtlich nur ein paar Bäume weitergezogen, lagen dort aber so versteckt im Schatten, dass sie von der Straße aus nicht zu sehen gewesen waren. Jetzt liefen sie einer hinter dem anderen durchs Gras direkt auf die Straße zu. Auf uns zu. Welch ein Anblick. Irgendwann stand eine der Löwinnen nur noch einen Meter neben Dirk und schaute ihm tief in die Augen. Hypnotisch! Inzwischen hatte sich ein kleiner Stau gebildet, alle wollten die Löwen sehen. Nur die Springböcke flüchteten leider. Den erhofften Kill würden wir nicht zu sehen bekommen.

Wir schauten uns das Spektakel eine gute halbe Stunde an, dann legte sich das Rudel unter den nächsten Baum und es war klar: Da würde bis zum Abend nicht mehr viel passieren. Mit der hinter den Wolken verschwindenden Sonne verabschiedeten auch wir uns aus dem KTP.

Reisebericht Namibia & Botswana 2010: Löwen ganz nah

Grauer Himmel passt nicht ins Konzept

Einreise in Namibia, ein neuer Stempel im Pass und dann auf nach Klein-Aus Vista. Knapp 500 Kilometer Fahrstrecke nach Südwesten. Wir hatten uns schon die ganze Zeit auf Klein-Aus Vista gefreut, denn es liegt traumhaft schön am NamibRand-Gebiet, das wir so sehr lieben. Und die Beschreibung des Eagle’s Nest, wo wir uns eingemietet hatten, klang einfach nur klasse.

Wir stellten es uns genial vor – und in unserer Vorstellung kam natürlich nur Sonne vor. Dummerweise wurde es mit jedem Kilometer trüber und spätestens in Keetmanshoop war auch der letzte Fleck blauen Himmels verschwunden. Laune nahe des Gefrierpunkts. Trüb, trüber, und am Horizont waren schon wieder zahlreiche Regengüsse deutlich erkennbar. Aber dann: ein Hauch von Blau. Und tatsächlich sah es so aus, als würde die Wolkendecke abrupt am Rand der Namib enden. Rechts und links von uns schüttete es, vor uns war Sonnenschein. Die Stimmung stieg.

Desert Vista – was für ein Blick!

Wir tankten in Aus, das uns erstaunlich gut gefiel und beschlossen, auf dem Rückweg von Lüderitz in ein paar Tagen im Bahnhof Hotel eine Kleinigkeit zu essen. Und dann Klein-Aus Vista, wir waren sofort hin und weg. Schon das Haupthaus liegt sehr schön, aber Eagle’s Nest … Eine Ansammlung kleiner, wunderschön eingerichteter Chalets, die in und um die Felsen gebaut sind. Unseres mit dem schönen Namen „Desert Vista“ hatten wir sofort ins Herz geschlossen.

Was kann man sich da noch wünschen? Vielleicht ein Grillpaket mit griechischem Salat, Folienkartoffeln, Tomaten-Käse-Sandwichs, Lammkotelett, Rumpsteak … War alles da. Noch Fragen? Ach ja, das Dessert: zwei riesige Stücke Kuchen – die wir aufs Frühstück verschoben, weil wir sie abends einfach nicht mehr geschafft hätten.

Reisebericht Namibia & Botswana 2010: Abendstimmung

14. April 2010: Löwengebrüll – endlich!

Kaum waren wir abends ins Zelt gekrabbelt, da fing ganz in der Nähe ein Löwe an zu brüllen. Endlich! Wir hatten diesen Sound nämlich wirklich vermisst. Die beiden Deutschen auf der Campsite nebenan hatten das natürlich auch gehört, ebenso wie die Tatsache, dass sich der Löwe im Lauf der Nacht brüllenderweise Richtung Norden entfernte.

Es war klar: Die beiden wollten den Löwen sehen und waren vom Jagdfieber so gepackt, dass sie schon um kurz nach halb sieben von der Campsite rollten. Dummerweise sehen die Parkregeln vor, dass das Gate (das auf botswanischer Seite nur imaginär vorhanden ist) im April erst um sieben Uhr geöffnet wird. Es kam, wie es kommen musste, die beiden wurden prompt unten im Flussbett von einem Ranger gestellt und dazu verdonnert, bis um sieben Uhr dort stehen zu bleiben.

Also tranken sie eine Tasse Kaffee – beim letzten Schluck trafen wir sie dann und ließen uns die Story erzählen. Ob wir nicht mitkommen wollten auf die Löwensuche, acht Augen sähen schließlich mehr als vier. Kurzes Zögern und dann die Stimme der Vernunft vom Fahrersitz: Nein, wir mussten erst einmal nach Twee Rivieren und offiziell aus Botswana ausreisen. Danach ginge es für uns dann Richtung Mata Mata. Ich hoffe, die beiden haben „ihren“ Löwen gefunden.

Reisebericht Namibia & Botswana 2010: Tiere im KTP

Was sitzt denn da im Baum?

Letztlich hatte Dirk ja Recht. Und manchmal ist es sogar gut, wenn er Recht hat, auch wenn ich es hasse, das zuzugeben. Also Bürokratie statt Löwengebrüll. Stempel im Pass, alles problemlos wie immer. Auf nach Mata Mata und unterwegs vielleicht doch noch ein paar Tiere sehen. Wir litten langsam an Mangelerscheinungen. Es war schon später Vormittag, unsere Erwartungen waren nicht allzu groß, die geheimen Hoffnungen natürlich schon.

Und dann entdeckten wir sie, gleich drei auf einmal: Eulen! Das war eine geniale Sichtung, Eulen hatten wir im KTP schon lange gesucht. Dirk hatte mal wieder die Spuren gesehen. Also die der Reifen, nicht die der Eulen. Chaotische Reifenspuren sind immer ein Zeichen, dass man sich mal genauer umschauen sollte. Und während Dirk die Büsche absuchte, schaute ich rein zufällig in den Kameldornbaum …

Prima, mit dieser Sichtung waren wir mehr als zufrieden. Es waren zwar keine Löwen oder Geparden, aber drei Eulen in einem Baum, das war durchaus beachtlich. Dann allerdings winkte uns ein Mann, wir sollten doch mal kurz anhalten: Auf dem Weg nach Mata Mata gäbe es Geparden und Löwen, letztere am 14. Bohrloch. Konnte das wahr sein? KTP-Effekt, sage ich da nur.

Reisebericht Namibia & Botswana 2010: unterwegs nach Mata Mata

Neun auf einen Streich

Um es kurz zu machen: Die Geparden haben wir leider nicht mehr gefunden, aber die Gruppe aus neun Löwen fanden wir schlafend unter einem Baum. Faul, wie Löwen nun mal so sind. Wir beschlossen, am Nachmittag noch einmal vorbeizukommen, hoffend, dass die Katzen dann etwas aktiver sein würden.

In Mata Mata erlebten wir eine weitere ausgesprochen positive Überraschung: Wir hatten eines der neuen River Front Chalets gebucht und waren begeistert. Groß, hell, sehr schön eingerichtet und mit einer großen Terrasse, von der aus man fast hautnah den durchs Flussbett ziehenden Tieren zuschauen konnte. Wirklich tolle Unterkünfte und kein Vergleich zu den dunklen, abgewohnten, irgendwie immer leicht siffigen Hütten in Nossob und in Twee Rivieren.

Wir verbummelten den Nachmittag und machten uns gegen 16 Uhr wieder auf den Weg zum 14. Bohrloch. Sie waren noch da – nur die Sonne war weg. So ein Mist. Dieses Wetter im KTP fing schon wieder an wie im letzten Jahr. Immer dichtere Bewölkung, die das ganze Fotolicht schluckte. Allzu dramatisch war das allerdings nicht, denn die Löwenbande machte erst Anstalten sich zu bewegen, als wir langsam aufbrechen mussten, um die „gate closing time“ um halb sieben zu schaffen.

Wir waren trotzdem mehr als zufrieden mit diesem Tag und ließen den Abend bei einem Delheim Pinotage und Sahne-Cashew-Nudeln mit Kudu Sirloin ausklingen. Menschenskinder, was ging es uns schon wieder schlecht …

Reisebericht Namibia & Botswana 2010: Löwen am 14. Bohrloch